von Jule Beck

Es ist Frühling und ein Feiertag jagt den nächsten. Was würde da besser passen, als eine Radtour über unseren wunderschönen Premiumradweg? Durch Rabenstein, hinweg über die Kalkstraße fliegend mit einem tollen Ausblick auf die Wälder ringsum, und mit Schwung weiter durch Rottluff bis nach Chemnitz hinein.

Unsere Pause machen wir – ganz klar: Am Pleißenbach. Ob in friedlicher Ruhe direkt am Wasser oder etwas turbulenter mit den Kindern an der Spielplatzpromenade: hier können sich alle erholen.

Blick auf den Spielplatz
Foto: Jule Beck

Vor ein paar Jahren sah das hier alles noch ganz anders aus. Nicht nur, dass der Radweg einst eine stillgelegte Bahnlinie war – auch das Flussbett verlandete zunehmend. Birken suchten sich ihren Platz, und weder vom ehemaligen Güterbahnhof, noch vom Pleißenbach blieb viel übrig. Das sollte sich ändern. Die Stadt nahm also Ressourcen in die Hand, um die Fläche neu zu gestalten.

Was 2004 zunächst als Gedanke begann, das Gelände für die Landesgartenschau zu bewerben,

wuchs mit der Zeit zu einer ganz anderen Idee. Vor mittlerweile mehr als 10 Jahren (2014) wurde für das Areal schließlich ein städtebaulicher Rahmen erarbeitet: Der Bach sollte wieder mehr Raum bekommen, die Grünflächen ringsum attraktiver und nutzbarer gemacht werden. Ganz im Sinne unserer Stadt – schließlich leben in den angrenzenden Stadtteilen Altendorf und Kaßberg mehr als 30.000 Menschen.

Eine tolle Idee – eigentlich.
Denn natürlich gab es auch hier zunächst Stimmen dagegen. Im Stadtrat folgten einige heftige Auseinandersetzungen. Und auch verschiedener Bürger*innen waren der Meinung, man solle das Gelände nach so langer Zeit doch lieber dem Lauf der Natur überlassen, die sich zurückholt, was einst ihr gehörte.
Mit Fortschreiten des Baues allerdings ließen diese Stimmen nach, gaben entweder klein bei oder freundeten sich mit der Idee an (wer weiß das schon genau?) und nun nach Vollendung der wichtigsten Bauabschnitte sind die Reaktionen doch überwiegend positiv. Mit Ausnahme der direkten Anlieger*innen, denen teilweise durch entfallene Brücken kurze Verbindungen verloren gingen. Ein passendes Beispiel dafür, wie sich Städte im Laufe der Zeit eben auch verändern können. Was für die einen Verlust bedeutet, ist für die anderen ein Zugewinn. Was einst ein großes Bahngelände mit dem Güterbahnhof Altendorf war, ist heute ein Platz an dem Familien und Freund*innen zusammenkommen.

Naturerlebnis mitten in der Stadt (Foto: Florian Etterer, 2025)

Anfang 2023 begannen schließlich die Arbeiten am ersten Bauabschnitt westlich der Rudolph-Krahl-Straße. Seitdem werden der Pleißenbach und sein Umfeld auf zwei Kilometer Gesamtlänge Stück für Stück umgestaltet. Im Kulturhauptstadt-Jahr konnte dann am 1. Juni das Herzstück eröffnet werden: der große Spielplatz mit Park-Promenade und rund 700 Meter renaturierten sowie erlebbaren Pleißenbach.

Wie bei einer so großen Baustelle jedoch erwartbar, bahnten sich verschiedene Hürden ihren Weg:
Durch 3 verschiedene Baufirmen auf dem Gelände, die sich um Gewässer, die neue Talbrücke und Landschaftsbau kümmerten, war ein erheblicher Koordinationsaufwand zu betreiben, so Birgit Burkhardt und Cynthia Nestler vom Grünflächenamt Chemnitz. Der Brückenbau forderte über 17 Wochen Bauverzögerung, die glücklicherweise im anschließenden Landschaftsbau größtenteils aufgeholt werden konnten. Aber auch Altlasten im Boden und unerwartete Natur führten zu Verzögerungen. Beim Aushub für den Bach entdeckte man beispielsweise ölgefüllte Gruben, Fundamente einer Kranbahn sowie Fundmunition. Alles Dinge, mit denen man rechnen muss, aber schwer abschätzbar sind.

Blick auf die aktuelle Baustelle
(Foto: Jule Beck)

Mittlerweile sieht man wieder Bagger im und am Pleißenbach. Denn die Transformation des Geländes ist noch lange nicht abgeschlossen. Aktuell wird der Bauabschnitt 2.1 zwischen Stadtgutbrücke und Rudolf-Krahl-Straße realisiert, so Burkhardt und Nestler. Hier bekommt der Pleißenbach ein neues Bachbett,  um sich noch komfortabler durch den Grünzug schlängeln zu können. Und auch am Stadtgut geht es einer maroden Brücke an den Kraken. Zudem ist die Schaffung weiterer Aufenthaltsorte geplant.

Die aktuellen Arbeiten sollen im Herbst diesen Jahres abgeschlossen werden, der Rest ist bis ins Jahr 2028 geplant. Dann fehle laut Burkhardt und Nestler nur noch der zentrumsnahe Bereich an der Paul-Jäkel-Straße zwischen Erzberger- und Beyerstraße. Die Planungen hierzu laufen bereits, doch schon jetzt präsentiert sich das Areal in neuem Glanz und blickt auf zahlreiche erfolgreiche Arbeiten sowie auf vieles bereits Erreichte zurück. Die neugestalteten Flächen werden gut angenommen – nicht zuletzt, weil Bürger*innen in die Planung einbezogen wurden. Die positiven Reaktionen und die hohe Nutzung sprechen da für sich.

Wer sich weiterhin beteiligen möchte, kann beispielsweise mit einer Baumspende unterstützen. Informationen dazu gibt es auf der Webseite der Stadt Chemnitz. Lust, sich die Fläche mal anzuschauen, haben jetzt hoffentlich alle bekommen. Also, genug geredet – jetzt ist es an euch: Ab aufs Rad, genießt den Frühsommer im jüngsten Park unserer Stadt und erfrischt euch im Pleißenbach.

Frühlingserwachen entlang der Parkpromenade (Foto: Florian Etterer, 2026)

Wir danken der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft für die finanzielle Unterstützung. Dadurch konnte der Artikel auch im 371-Magazin (Juni 2026) veröffentlicht werden.


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