von Babett Pötsch (Text & Bilder)
Wer auf der Palmstraße im Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg unterwegs ist, kommt an der Ecke Reinhardtstraße an einem eingezäunten Grundstück vorbei, das mit Holzschwarten verkleidet ist. 1.300 qm große Fläche im Dornröschenschlaf, begleitet von illegalen Müllablagerungen. Babett Pötzsch wohnte auf der Reinhardtstraße und sah das Potential der Wiese. Sie hatte 2016 ihren Bundesfreiwilligendienst auf einem Bauernhof absolviert und betreute dort die Schulklassen im „Lernort Bauernhof“.
Die Lehrer beklagten sich, dass es keine Schulgarten-Angebote in der Stadt gab und die Anreise zu weit war. Und somit war die Idee geboren: Inmitten der Stadt ein Lernangebot für bio-dynamischen Lebensmittelanbau zu schaffen, ohne Einsatz von Pestiziden, ohne das Bodenleben zu zerstören und dafür mit natürlichen Düngemitteln und Humusaufbau die Erde wieder zu beleben.

Sie meldete sich für das zweijährige Studium der Permakultur-Akademie an, sprach mit dem Stadtplanungsamt der Stadt Chemnitz und schrieb einen Fördermittelantrag im Rahmen des Unesco Weltaktionsprogrammes Bildung für nachhaltige Entwicklung. Für den zukünftigen Garten entwarf sie ein Design nach permakulturellen Vorgaben, gründete den Trägerverein „Keimzelle – permakulturelles Stadtgrün e. V.“, schrieb das Konzept für eine zweijährige Förderung über den Europäischen Strukturfond und suchte Mitarbeiter und Kooperationspartner. Sie schloss einen Pachtvertrag für das Grundstück mit der GGG ab und startete am 16. Juli 2018 nach zwei Jahren ehrenamtlicher Arbeit das Projekt „Permakultur-Lehrgarten Palmgarten“ auf der nun umzäunten und ausgestatteten Wiese.

Von 2018 bis 2020 besuchten über 1.500 Menschen den Palmgarten beispielsweise zum offenen Garten jeden Mittwoch, bei dem Nachbarn und Interessierte gemeinsames permakulturelles Gärtnern lernten oder sich bei „Chill und Grill“ am Lagerfeuer labten. Das Projekt „Klassenzimmer im Freien“ richtete sich an Schulklassen und Gruppen von Kindern, die gemeinsam geerntetes Gemüse geschnippelt und zu Suppen gekocht haben. Die Gruppe „Gartenkinder“ aus einem Kindergarten legten zusammen Kartoffel- und Tomatenbeete an, kochten Eintöpfe und Holundergelee und unterhielten sich darüber, woher ihre Tomaten sonst kommen. Zwei Gartenprojekte in Chemnitz erhielten Wochenend-Grundkurse in Permakultur. Zu den jährlichen Erntedankfesten kamen über 500 Besucher in den Palmgarten, die bis in die frühen Morgenstunden bei Eintopf, Lagerfeuer, Lichtinstallationen an der Häuserwand und Roots Dub von den Community Rockers verweilten.

Trotz des großen Erfolges und überstandener Isolation durch die Pandemie wurde die Förderung für den Garten durch die Stadt nicht weitergeführt, da neue Brachflächen direkt neben dem Palmgarten entwickelt wurden. Das war ein herber Rückschlag für alle Beteiligten. Ein neuer Vorstand und neue Mitglieder formten daraufhin den Palmgarten als offenen Bürgergarten, der seine Beete im Mandalabeet vermietete und so das Fortbestehen des Palmgartens sicherstellen konnte. Seitdem besteht ein reges Vereinsleben mit täglichen Besuchern und unsere Gartengemeinschaft freut sich über neue Freunde am Lagerfeuer.
Wer an einer Führung oder einem Grundlagenkurs interessiert ist, kann uns gerne über unsere Facebookseite (https://www.facebook.com/palmgarten) kontaktieren.
Links & Tipps:
- Zusatzbeitrag: Was ist eigentlich Permakultur?
- Netzwerk Sprossachse (SDB e.V.): das Netzwerk der Chemnitzer Gemeinschaftsgärten
- Bisherige Beiträge aus der Rubrik „Gemeinsam gärtnern“
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