von Peter Altmann
Mehr als 1.000 Hektar Parks, Wiesen und Wälder – mit seinen Grünflächen beeindruckt Chemnitz.
Statistisch gesehen kommen auf jeden Einwohner mehr als 60 Quadratmeter Grünfläche. Wie grün die Stadt tatsächlich ist, zeigt sich an den vielen Parks der Stadt.
Sie sind wichtige ökologische Flächen mit Mehrwert für Alle: Ihre
Bäume filtern Staub und Abgase aus der Luft, sorgen für Lärmund
Sichtschutz, schaffen Verdunstungskühle und Beschattung
bei Sommerhitze. Gleichzeitig sind sie Lebensraum für Singvögel,
Insekten und Kleinsäuger, die im Stadtgebiet sonst nicht existieren
könnten. Mit etwas Glück und offenem Blick kann man
Grünspecht, Eichelhäher, Eichhörnchen, Fuchs oder Igel erspähen.
Im Küchwaldpark leben sogar Rehe. Und die Parks sind beliebte
Rückzugsorte der Chemnitzer. Wir haben die wichtigsten der
insgesamt 51 Parkanlagen genauer angeschaut.
Stadtpark
Der etwa sechs Kilometer lange Grünstreifen verbindet entlang des Chemnitz-Flusses das Stadtzentrum mit dem südlich gelegenen Harthwald am Stadtrand. Eigentlich sind das sogar mehrere Parks. Den stadtwärtigen Teil des Areals an der Beckerstraße hatte im Jahre 1798 der Bürgermeister Dr. Gotthold Leberecht Sachse gekauft. Er ließ das Areal gestalten und gewährte der Bevölkerung freien Zutritt. Die dankten es mit dem Spitznamen „Sachses Ruhe“ – heute heißt der Teil des Stadtparks Claußscher Park nach Stadtrat Ernst Otto Clauß. Weiterer Teil ist der Voigtscher Park mit Kleinem Stadtparkteich, benannt nach dem Stifter Fürchtegott Moritz Albert Voigt, im 19. Jahrhundert ebenfalls Stadtrat von Chemnitz. 1904/1905 kam eine schmale Promenade zwischen Heinrich-Lorenz-Straße und Händelstraße dazu: der Rosengarten. Außerdem gibt es noch den Otto-Werner-Garten.
Der südliche Teil des Stadtparks ab dem Südring erinnert eher an ein Waldstück mit weitläufigen Wiesen.
Größe: etwa 60 Hektar
Arten im Park: Baumbestand mit hierzulande seltenen Arten
wie Sumpfzypresse, Ginkgo oder Tulpenbaum; Flächennaturdenkmal
Eschen-Ahorn-Wald südlich des Südrings; Artenreichtum
an Vögeln wie Grünspecht, Buntspecht, Waldohreule, Singdrossel
und Kleinlebewesen
Nutzung: Inline-Skaten, Joggen, Walken, Radfahren, Spazierengehen.
Am Großen Teich befindet sich ein schöner Spielplatz.
Besonderheiten: großer und kleiner Stadtparkteich, Schmuckpflanzungen

Küchwaldpark
Das größte städtische Flächendenkmal und die gleichsam größte historische Parkanlage in ganz Sachsen diente einst Mönchen zum Anbau von Gemüse und Küchenkräutern sowie als Holz- und Wildlieferant – alles für die „Küche“, daher auch der Name.
Den ersten Schritt vom Wald zum Park machte man 1888: Eine etwa 30.000 Quadratmeter große Nadelholzfläche wurde abgeholzt und zur Freifläche mit Laubbäumen umgestaltet. Otto Werner trieb diese Entwicklung „vom Wald zum Waldpark“ miteinem Konzept von 1898/99 weiter voran. Heute ist der Küchwald
ein gepflegtes und waldartig bewachsenes Naherholungsziel, das zum Sporttreiben, Entspannen oder Picknicken einlädt.
Größe: fast 100 Hektar
Arten im Park: etwa 50 Brutvogelarten, darunter viele Höhlenbrüter und weitere Durchzügler, auf den wenig gemähten Wiesen viele Pflanzen und Heuschreckenarten
Nutzung: Eissportzentrum, mehrere Spielplätze, Hochseilgarten, Festwiese mit Grillfläche
Besonderheiten: Parkeisenbahn, Kosmonautenzentrum, Küchwaldbühne, nahe gelegen ist der Botanische Garten.

Schloßteichanlagen
Schon um 1493 wurde der Teich von Abt Heinrich von Schleinitz angelegt und diente zur Fischzucht für die Klosterküche. 1860 erwarb die Stadt das Gelände und ließ den Park anlegen, welcher in den 1930er Jahren erweitert wurde. Im Zuge dieser Erweiterung wurde der beeindruckende Fontänenbrunnen samt gärtnerisch repräsentativ gestalteter Fläche eingeweiht. Schon 1913 wurde auf der Schlossteichinsel der Müller-Zipper-Brunnen, benannt nach zwei verdienstvollen Stadtpolitikern, errichtet. In den 1950er Jahren entstand in dessen Nachbarschaft ein Konzert-Pavillon.
In den vergangenen Jahrzehnten hat der Schlossteichpark Anschluss in viele Richtungen der Stadt bekommen: Mit dem Uferpark (ca. 2,5 Hektar) etwa, als Erweiterung zwischen Brückenstraße und dem Schlossbergpark (ca. 3 Hektar) hoch zur Schlosskirche.
Der Konkordiapark (ca. 2 Hektar), inzwischen mit einer Blühwiese auch ökologisch interessant, verlängert den Schlossteichpark Richtung Westen.
Größe: etwa 20 Hektar (mit Schlossteich)
Arten im Park: Rosskastanie, Baum-Hasel, Sumpf-Eiche, schöne Linden-Alleen, bemerkenswerte Rhododendron-Catawbiense-Pflanzungen
Nutzung: Festivals wie das Fuego a la Isla, Ruder- und Paddelboote auf dem Teich, Sonnenbaden, Café Milchhäuschen sowie Spielplätze, Grillfläche im Bereich des Pavillons, Skater-Anlage im Konkordiapark
Besonderheiten: Schillingsche Figuren
Schönherrpark
Nördlich vom Schlossteich, am östlichen Küchwaldhang, findet sich nur etwa 100 Meter weiter der Schönherrpark. Dieser wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Webstuhlfabrikanten Louis Schönherr gestiftet, der gegenüberliegend eine Fabrik errichtet hatte. Heute ist der Park „verwunschen“ – andere würden es wohl auch „vergessen“ nennen. Der kleine Teich, die malerischen Mauern und auch die
Bepflanzung würden dringend etwas Pflege bedürfen.
Größe: etwa 7 Hektar
Arten im Park: Sumpfzypresse, Urweltmammutbaum, Schwarz-Kiefer, Rosskastanie, bemerkenswerte Rhododendron-Catawbiense-Hybriden
Nutzung: Spielplatz, Spaziergänger
Besonderheiten: historische Verknüpfung – auch baulich interessant
– mit der nahe gelegenen und bereits reaktivierten Schönherr-Fabrik – da ist noch viel Potenzial!
Moritzpark mit Uferstrand
Auch der Moritzpark ist noch recht jung – dafür aber besonders zentral und vor allem nah am grünen Band des Stadtparks direkt am Chemnitz-Fluss gelegen. Bis vor wenigen Jahren war der Fluss hier nicht sichtbar, geschweige denn zugänglich. Nun ist er freigelegt und tatsächlich ein Ufer angelegt – hier können Besucher ein kühles Fußbad nehmen. Gleich nebenan ist der Uferstrand mit Sandfläche – quasi die bewirtschaftete Fläche des Moritzparks. Kurz unterbrochen vom Falkeplatz setzt sich dieser Uferstreifen (ca. 2,5 Hektar) weiter parallel zur Theaterstraße fort.
Größe: etwa 1,5 Hektar
Arten im Park: Schwarz- Kiefer, Pyramiden- Pappel, Gleditschie
Nutzung: Zugang zur Chemnitz, Gastronomie am Uferstrand
Besonderheiten: Aussichtspodest zum Chemnitzfluss, Skulptur von Hans Brockhage
Stadthallenpark
Die wohl meistgenutzte und zentralste Grünfläche in Chemnitz.
Direkt an der Stadthalle gelegen ist der kleine Park beliebter Treffpunkt zur Mittagspause, zum Kaffee- und Kuchen-Plausch und auch zum abendlichen Picknick. Im Sommer finden hier der Parksommer und andere Bürgerfeste statt. Beliebt bei Kindern ist die große Springbrunnen-Anlage, Generationen haben hier schon geplanscht. Der Gartenarchitekt Karl Wienke erhielt für die Gestaltung dieser Anlage den Nationalpreis der DDR.
Größe: etwas über 1 Hektar
Arten im Park: Er ist nicht so reich an heimischen Arten aber dafür Zuhause einer Kaukasischen Flügelnuss mit weit ausladender Baumkrone, Tulpenbaum, Zieräpfel, Schwarzer Tupelobaum sowie eine alte Esche, die als einziger Baum im Stadtzentrum 1945 die Zerstörung durch Fliegerbomben überlebte.
Nutzung: Innenstadtpark für Alle, Parksommer und andere Feste
Besonderheiten: lebendiger Park mit starker Nutzung, teilweise übernutzt; großer Schmuckbrunnen

Während Parks in der Regel angelegte, gestaltete Grünflächen sind, gibt es in Chemnitz natürlich noch die Wälder im Stadtgebiet.
Der größte ist der Zeisigwald im Nordosten der Stadt, ebenso beliebt im Westen der ausgedehnte Rabensteiner Wald mit Wildgatter und der südlich gelegene Einsiedler Wald sowie der Harthwald. Der Crimmitschauer Wald schließt im
Norden der Stadt an den Botanischen Garten an. Erwähnenswert ist auch das Waldgebiet um das Sternmühlental mit dem Adelsbergturm.
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