Text: Lisa Kühnert, Fotos: Karin Hübler
„Auf jeden Fall Salbei!“ – Die Antwort auf die Frage nach Sylvia Dörings Lieblingspflanze kommt wie aus der Pistole geschossen. Dabei ist es fast verwunderlich, dass sich die „Gartenfee“ bei ihrem riesigen Enthusiasmus für
Heilpflanzen auf eine Sorte festlegen kann: Heilkräuter begleiten sie nämlich schon ihr ganzes Leben lang. Vor knapp sieben Jahren waren sie sogar ein Grund dafür, dass sie einen verwilderten Garten im Chemnitzer Stadtteil Hutholz unter ihre Fittiche nahm.
Nachdem Sylvia Döring 2013 nach Hutholz gezogen war, fiel ihr schnell das brache Grundstück an der Friedrich-Viertel-Straße 68/70 auf, das nach ersten Anstrengungen eines anderen Vereins einige Jahre zuvor langsam wieder am Verwildern war. „Ein Nachbar hatte den Schlüssel, also habe ich mir das mal
angeschaut und gesehen, wie viele wilde Kräuter dort wachsen. Das hat mir gut gefallen und ich hatte direkt die Idee, aus dem brachen Gelände einen Naturgarten zu machen“, erinnert sich Frau Döring, die zur gleichen Zeit gerade dem Kneippverein beigetreten war. Kneipp und ein Gemeinschaftsgartenprojekt, das ließ sich gut kombinieren, erzählt sie, und mit einer Handvoll Mitstreiter*innen begann sie schließlich 2014, das Gelände wieder fit zu machen.

Heute, fast acht Jahre später, bietet der Hutholzgarten auf rund 8.700 Quadratmetern ausreichend Platz für den Kneippverein, der damit einer der einzigen in Deutschland ist, der einen derart großen Garten bewirtschaftet. Aufgrund dessen spezialisiert man sich hier ganz besonders auf zwei der fünf Säulen von Kneipps Lehren zur Gesunderhaltung: Die Bewegung an der frischen Luft und die Anwendung von Heilkräutern – dem Spezialgebiet von Sylvia Döring also.

Dieser Leidenschaft geht sie in ihrem Gartenrefugium auch mit
fast 70 Jahren weiterhin begeistert und engagiert nach: Sie
bietet Kräuterwanderungen für Interessierte an, stellt aus eigener
Ernte Kräutersalze und Tees her und geht für die umfangreichen
Anbauflächen des Hutholzgartens mit Vorliebe auf die Suche nach
alten Gemüsesorten. Aber nicht nur beim Gemüseanbau steht
die Nachhaltigkeit im Vordergrund: „Uns ist es wichtig, die Natur Natur sein zu lassen“, fasst die Vereinschefin die Intention hinter dem Konzept
zusammen: „Wir errichten bewusst ganz viele Rückzugsorte für Tiere und Insekten, lassen eine insektenfreundliche und artenreiche Wiese stehen, die erst im späten Sommer schonend per Sense gemäht wird.“ Baumverschnitt wird nicht etwa anderswo entsorgt, sondern als Baumaterial, zum Beispiel für Hochbeete, wiederverwendet; eine selbstgebaute Komposttoilette liefert natürlichen Dünger.
„Der Garten kostet Kraft“, resümiert Sylvia Döring „er gibt aber auch Kraft.“ Für die Zukunft des Gartens wünscht sie sich dennoch vor allem Nachwuchs und interessierte junge Leute, denen sie im besten Fall auch noch ihre Leidenschaft für die Wildkräuter weitergeben kann.
Bei Interesse melden bei Sylvia Döring, gartenfee@mail.de
TIPP:
Netzwerk der Gemeinschaftsgärten
Ein umfangreicher Wissensspeicher aus Seminaren, Anleitungen, Foren, usw. zu gärtnerischen Themen aber auch zur Gründung und Organisation von Gemeinschaftsgärten.
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