Wenn man heute am Knappteich im Yorckgebiet entlangschlendert, würde man es gar nicht vermuten, aber an dieser Stelle sollte einst ein riesiger Parkplatz entstehen. Unvorstellbar, wenn man sich hier umschaut, mit dem traumhaften Panorama des Teichs, der Gartenanlage und der Grünfläche mit Beerenbüschen
und Blühwiesen. Der perfekte grün-blaue Platz in Mitten von so viel Grau.

Hätten sich nicht engagierte Bürger*innen gefunden, die sich für den Erhalt des Teiches ein-setzten, würde hier heute alles anders aussehen. Denn vor 2014 sollte der Knappteich komplett zugeschüttet werden. 7000m² Wasserfläche. Zu viel Aufwand hieß es von der Stadt – statt-dessen sollte ein Parkplatz her. Klar – wenn man sich hier umsieht, zwischen all den Neubauten, dann ergibt das Sinn. Ein Stückchen Grün aber umso mehr. Das fanden auch engagierte Chemnitzer*innen und schlossen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen, um für den Erhalt zu kämpfen.

Mit dem Ergebnis: Sofern Verantwortliche gefunden würden und die Grünpflege-patenschaft übernähmen, könne der Teich weiterhin bestehen und die Parkplatz-pläne seien vom Tisch. Mit Greenpeace Chemnitz und dem SDB Chemnitz e.V. wurden diese schnell gefunden. Die Pflege begann sofort, und war auch dringend nötig, denn im Sommer 2015 drohte der Teich zu kippen. Zu viel Schlamm, zu viele Blätter, und noch mehr machten ein sofortiges Eingreifen von Stadt und Freiwilligen erforderlich. Mit Erfolg.

Doch es sollte nicht nur bei der Pflege des Teichs und der umliegenden Grünfläche bleiben. Denn wo gearbeitet wird, braucht es Platz für Geräte – und einen Ort, an dem sich Ehrenamtliche zusammenfinden, austauschen und auch mal ausruhen können. Der angrenzende Kleingartenverein „Zur Vogelweide“ hatte dafür genau das richtige Plätzchen übrig: Denn der Garten an der Ecke, der ohnehin an Weg und Teich grenzt, stand bereits seit 7 Jahren leer. Diesen Garten wolle aufgrund der Lage sowieso niemand. Doch für die Freiwilligen war das kein Problem. Und
so kam noch im selben Jahr der Gemeinschaftsgarten zum Projekt hinzu. Die Idee: einen Bürgergarten zu schaffen – bei dem jede*r Einzelne dazu eingeladen ist, am großen, Ganzen mitzuarbeiten. Und das mit dem Ansatz der Permakultur, denn ökologisch und nachhaltig soll es sein. So wird zwar ab und an der Rasenmäher geschwungen, aber genauso darf alles auch mal wilder wachsen. Regionale Pflanzen werden angebaut, und alte, schon längst in Vergessenheit geratene wieder ins Gedächtnis und den Garten zurückgeholt.

Doch auch vor Probleme wurden die Helfer*innen gestellt. Denn früher stand hier eine Ziegelei und das merkt man im Boden heute noch. Kaum tiefer als 3 Spatenstiche kommt man, was das Anpflanzen erheblich erschwert, teilweise unmöglich macht. Aber aus der Not heraus wird man erfinderisch und so experimentieren die Gärtner*innen hier beispielsweise mit einem Kartoffelturm. Das spart Platz und macht sich die Eigenschaft der Kartoffel zunutze, immer wieder an die Bodenoberfläche durchzuwachsen.

In der angrenzenden Gartenanlage wird dies alles gut angenommen. Die Kleingärtner*innen holen sich hier teilweise sogar Anregungen,
um den Ansätzen nachzueifern und eigens herum zu probieren.

Doch der Garten ist nicht nur für die rund 15 Engagierten interessant. Denn abgesehen von den benachbarten Kleingärtner*innen, die sich für das Projekt begeistern, sorgen u.a. Workshops für den Hochbeetebau, oder Veranstaltungen für Schulklassen für den Austausch mit Menschen außerhalb des Projekts. Gerade in der Zeit kurz vor den Ferien kommen Schulklassen, beispielsweise von der Gablenzer Grundschule, in den Garten, probieren sich in der Pflanzenbestimmung und Tierbeobachtung oder helfen beim Müllsammeln.

Aber auch unabhängig davon, dürfen andere Interessierte gern zu verschiedenen Gelegenheiten vorbeischauen. Und das bedeutet dann nicht zwingend Arbeit. Wer sich also selbst von der Entwicklung des Projekts überzeugen oder in Aus-tausch mit den Engagierten treten möchte, kann beispielsweise am 20.05. zum Tag der Nachbarn, oder am Kindertag den 04.06. am Knappteich besuchen – und bei dieser Gelegenheit direkt noch die Seele baumeln lassen, bei einer Bootsfahrt
über den Teich.

Weitere Infos zum Projekt: www.knappteich.de