Text & Foto: Stephan Beckert
Auf einem vier Hektar großen Gelände im Stadtteil Gablenz soll ein Bürgerpark entstehen. Gegenwärtig wird die Fläche wenig genutzt. Bis zum Beginn des Kulturhauptstadtjahres 2025 soll sich das ändern.
Alles begann im Jahr 2019 mit der Aussicht auf Geld und einer Idee. Damals wurde von der Stadt beschlossen, dass sechs Millionen Euro zur kulturellen Belebung in die Chemnitzer Stadtteile fließen sollen. Für Gablenz und das Yorckgebiet waren 325.000 Euro vorgesehen.
Für dieses Geld kann man natürlich keine Oper und auch keine Sportarena bauen. Allerdings kann man damit bestehende Brachflächen aufwerten und für eine öffentliche Nutzung umgestalten. Und genau das war auch die Aufgabe, die mit der Vergabe des Geldes verbunden war.
Für Gablenz und das Yorckgebiet organisierte Oliver Treydel eine Bürgerbeteiligung für die Suche nach einer solchen Kulturhauptstadt-Interventionsfläche. Als passendes Areal habe sich schnell die Grünfläche zwischen Carl-von-Ossietzky-Straße und Hans-Ziegler-Straße neben dem Gablenz-Center herauskristallisiert, sagt der Koordinator der Bürgerplattform Mitte-Ost. Fläche wird nur sporadisch genutzt Seit dem Abriss der ehemaligen Gebäude des Keplergymnasiums und einer Berufsschule vor über zehn Jahren passierte auf dem Gelände wenig. Pfadfinder durchkreuzen gelegentlich den Park, ein kleiner Hang sorgt im Winter für Rodelspaß, die rudimentär erhaltene Sportfläche der ehemaligen Schule wird von Freizeitsportlern genutzt.


Oliver Treydel war der Meinung, da geht mehr. In den beiden Jahren 2019 und 2020 nahm er Kontakt zu vielen Anwohnern, Vereinen und anliegenden Schulen und Kitas auf, um deren Bedürfnisse und Anregungen zu erfahren.
Dabei wurden erste Ideen für eine Parkentwicklung aufgenommen. Es ging um bessere Bedingungen für Sport, ausreichende Infrastruktur für Kultur sowie ganz selbstverständliche Dinge wie Sitzmöglichkeiten und Müllbehälter. Denn davon gibt es auf der gesamten vier Hektar großen Fläche viel zu wenige. Die Landschaftsarchitektin Uta Gehrhardt erstellt aus den Ideen einen Plan. Persönlich reizt sie das Projekt wegen seiner Größe und der vielen potenziellen Beteiligten. „Die neu gestaltete Grünfläche muss sowohl von Anwohnern, von Sportlern, aber auch von Besuchern des Gablenz-Centers angenommen werden“, sagt sie. “Dafür müssen wir vorher mit vielen Leuten über ihre genauen Vorstellungen sprechen.”

Viel Zuspruch aus dem Umfeld
Zuspruch haben die Initiatoren des Bürgerparks jedenfalls. Daniel Pfaff, der Pressesprecher des Großvermieters CAWG, erklärt: “Das Gelände ist für einen Bürgerpark ideal. Ringsum gibt es eine gewachsene Infrastruktur mit Bus- und Bahnhaltestellen, Wohnbebauung und Schulen.” Zusammen mit dem angrenzenden Pappelhain würde eine große, zentrale Grünfläche geschaffen, so Pfaff: “Es wäre die grüne Lunge des Wohngebietes.”
Die Fußballer, die sich den Namen Freizeitkicker Beimler gegeben haben, trainieren seit etwa 30 Jahren auf dem Rasen des ehemaligen Sportplatzes. Für eine Belebung des Parkes wären weitere Sportgruppen mit anderen Sportarten gut, sagt Mitspieler Uwe Spindler. “Umso mehr passiert, umso besser.”
Die Freie Evangelische Kirche nutzt den Park für die Pfadfindergruppe Royal Rangers. Auch einen Open-Air-Gottesdienst habe es in diesem Jahr zu Pfingsten gegeben, sagt Pastor Bernard Millard. Bei der Entwicklung des Parks sollte es Angebote für junge Familien und Kinder aus dem Stadtteil geben, an denen sich die Kirchgemeinde beteiligen will.
Was bisher alles geplant ist
Fest steht: Die Sportanlage auf dem oberen Plateau soll bleiben. Die Laufbahn soll etwas verbreitert werden und einen neuen Belag erhalten. Der Rasen steht weiterhin für die Fußballer und andere Sportgruppen zur Verfügung. Am Rand der Fläche kann sich Oliver Treydel überdachte Bänke und Tische vorstellen, auf denen die Sportler ihre Sachen regensicher unterstellen können.
Neben dem Rasen in Richtung Haltestelle „Pappelhain“ sieht Treydel Platz für die Jugend. “Hier könnten Geräte für den Parcours-Sport stehen, ein Basketball-Platz und ein kleiner Pavillon errichtet werden”, sagt er. Der Ort sei insofern ideal, weil er genug Abstand zur nächsten Wohnbebauung habe. Dadurch könnten Lärmprobleme vermieden werden.
Auf der anderen Seite des Rasens in Richtung Gablenz-Center wird der Kulturbereich des Parks mit einer mobilen Bühne entstehen. Anschlüsse für Strom und Wasser sollen gelegt werden, die auch der Zirkus nutzen kann, der einmal im Jahr im Gablenzer Wohngebiet gastiert.
Im unteren Bereich an der Hans-Ziegler-Straße sollen zwei große Wiesen entstehen, die von Bäumen umschlossen sind. Für die Lichtungen ist keine konkrete Nutzung geplant. „Sie können Spielwiese für Federball, Drachen steigen oder zum Picknick genutzt werden“, sagt Landschaftsarchitektin Uta Gerhardt.
Am nördlichen Eingang des Parks soll ein Zweckbau für Gartengeräte und Werkzeuge errichtet werden. Aber nicht irgendein schmuckloser Container, sondern ein richtiger Hingucker. Oliver Treydel schwebt dafür eine begehbare Litfaßsäule vor oder ein Bürgerpavillon mit gastronomischer Nutzung.
Zudem sind verteilt über den Park naturbelassene Areale, Bienenwiesen und Flächen für Bäume geplant, zwischen denen Aufenthaltsangebote wie Schach und Kugelsportarten gemacht werden könnten.
Bürgerbeteiligung geht weiter
Ein weiterer Schritt zum Bürgerpark war ein Treffen von Initiatoren und Anwohnern am 25. September auf dem Gelände. Bürger konnten ihre Wünsche äußern und an eine Pinnwand heften. Von einem Barfußpfad, Kinderspielplätzen bis hin zu einem Lesecafé war dort zu lesen. Für viele Senioren spielten Barrierefreiheit, Sauberkeit und ausreichend Sitzmöglichkeiten im Park eine wichtige Rolle.
Ein weiterer Punkt war die im Rahmen der Kulturhauptstadt geplante „Apfelbaumparade“. Dafür sollen etwa 4.000 Apfelbäume in einer quer durch die Stadt laufenden Achse gepflanzt werden. Auch den geplanten Gablenzer Bürgerpark soll diese Parade in einer Linie kreuzen, wünscht sich Künstlerin Barbara Holub.
Beim Info-Tag konnten die Anwohner über die konkrete Umsetzung der „Apfelbaumparade“ im Bürgerpark mitbestimmen. Dabei gab es neben Zuspruch auch kritische Stimmen, die auf die Notwendigkeit der Pflege und das Problem heruntergefallener Äpfel auf Gehwegen hinwiesen.
Als nächstes werden Bäume gepflanzt, für die kürzlich Probebohrungen stattgefunden haben. „Wir mussten herausfinden, wo genug Erde für die Wurzeln vorhanden ist und wo noch alte Fundamente im Boden sind, die vor der Bepflanzung herausgeholt werden müssen”, erklärt Uta Gehrhardt. In diesem Jahr kommen noch 30 Bäumchen in die Erde, in den kommenden Jahren sollen bis zu 300 folgen. Dabei sollen vor allem Klimabäume gepflanzt werden, die sowohl mit längeren Hitzeperioden als auch mit Starkregen zurechtkommen. Bis Ende des Jahres wird ein detaillierter Plan für den Bürgerpark Gablenz fertiggestellt. Im kommenden Jahr gehen die Planungen für die Beläge von Wegen und die Ausstattungen voran, sagt Uta Gehrhardt: „Ziel ist es, dass die mit den vorhandenen Mitteln möglichen Bauten bis Ende 2024 erstellt sind.“
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