Text & Fotos: Peter Altmann
Im Chemnitzer Stadtteil Reichenbrand, zwischen Neefestraße und A72, versteckt sich ein beschauliches Stück Grün, das nicht mehr vielen in Erinnerung ist:
der Stärkerwald.

Ab 1906 vom Chemnitzer Strumpfwaren-Fabrikanten Arthur William Stärker als Park angelegt, zu DDR-Zeiten als „Reichenbrander Wald“ bezeichnet, ist dieses etwa 25 Hektar große Waldstückheutevonvier Flächennaturdenkmälern gekennzeichnet. Und beherbergt jede Menge Flora und Fauna.
Knapp 30 verschiedene Vogelarten macht Jens Börner auf einer zweistündigen Wanderung durch den Wald aus, darunter Kleinspecht, Grünspecht und ein Trupp Grünfinken. „Die Grünfinken sind eigentlich nichts Besonderes in unseren Breiten. Aber in letzter Zeit war ihr Bestand rückläufi g und ich bin froh, mal wieder einen ganzen Schwarm zu sehen“, erklärt Börner, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde Chemnitz.

Der begeisterte Vogelkundler ist dem Stärkerwald seit fast 40 Jahren verbunden. Schon als Kind ist er durch das Grün gestiegen, um Vögel zu beobachten. Ende der 80er Jahre war er hier als Naturschutzhelfer unterwegs, hat Teiche entschlammt. Damals noch unter dem kritischen Auge der Staatssicherheit.
Seit dem Jahr 1990 hat die Stadt Chemnitz den Stärkerwald unter Schutz gestellt: Keine Forstbewirtschaftung mehr, naturbelassen mit hohem Anteil an Totholz und einer Vielfalt an Biotopen und Habitaten soll er sein. „Und es ist ein Wald mit besonderem Reiz“, meint Jens Börner. Die wechselvollen Landschaften mit Wiesen, Teichen und Bachläufen, wie man sie heute wiederfindet, würden
sicher auch Arthur Stärker gefallen. „Von ihm sagt man, er habe die Romantik des wilden Wuchses geliebt“, so Börner. Auch deshalb ist die damalige Parkanlage des Naturliebhabers Stärker weniger Park als Wald.
Stärker trieb zu seiner Zeit zwar die Auff orstung der Felder systematisch voran, Ziel war aber nicht die Forstwirtschaft sondern die Gestaltung eines parkähnlichen Privatgrundstückes als Sommersitz der Familie. Große Rhododendron-Pflanzungen, links des Weges ein Ziergarten, der halbrund mit einer Hecke umgeben war und prachtvolle Freilandazaleen, Eiben und Lebensbäume beherbergte – von dieser Gestaltung ist kaum etwas übrig. Die Aufforstung mit Fichten und Lärchen hingegen schon und auf halber Höhe des steil ansteigenden Mittelweges kann man eine Kastanienallee entdecken:
eine Doppelreihe von je sieben Kastanien, bergan mit Blutbuchen und zum Tal mit einem roten Ahorn flankiert. „Die große Herausforderung dieses Waldes ist es, die gestalteten Landschaften zu erhalten und gleichzeitig den Wald in Ruhe zu
lassen“, erklärt Jens Börner. Damit die Reichenbrander Teiche – eines der Flächennaturdenkmäler – nicht verschlammen und verlorengehen, müsse der Bewuchs drumherum beschnitten werden.

Zum Teil sogar einzelne Bäume herausgenommen werden. Gleichzeitig sind umgestürzte Bäume, wie die vor etwa 10 Jahren gefallene Eiche, wichtige Biotope, die am besten unberührt bleiben. Das gilt auch für die Bucheninsel im Stärkerwald – ebenfalls ein Flächennaturdenkmal.
„Etwa 20 Jahre braucht eine Buche, um sich zu einem Baum zu entwickeln – 100 Jahre dauert es, bis so ein Buchenwald entsteht“, erklärt Jens Börner.
Mit Geduld und Vorsicht – so erobert sich auch der Wanderer am besten diesen Wald zwischen Parkanlage und wilder Natur.
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